Burgen und Schlösser

Seit der Jungsteinzeit sind in der hügeligen Landschaft Mittelsachsens mit seinen Flusstälern, fruchtbaren Böden und Wäldern Menschen sesshaft. Die Kulturen und Völker wechselten. Im 10. Jahrhundert unterwarfen ostfränkische Herrscher slawische Stämme östlich von Saale und Elbe. Burgen und Klöster waren die Militär-, Wirtschafts- und Verwaltungszentren ihrer Ansiedlungs- und Religionspolitik. Waldflächen wurden gerodet, Dörfer und Städte gegründet. Ihre Bewohner betrieben Landwirtschaft, Handwerk und Handel, errichteten Bauwerke. Sie nutzten dafür die Rohstoffe ihrer natürlichen Umgebung – und wirkten dadurch stetig verändernd auf sie ein. Im Lauf der Jahrhunderte bis heute entwickelte sich so unsere Kulturlandschaft.

In den zahlreichen Burgen und Schlössern im Land von Mulde und Zschopau lässt sich Interessantes über die Nutzung von „Schätzen aus Vulkanen“ entdecken. Die Architektur und Ausstattung von fürstlichen Wohnsitzen, Kirchen und Klöstern im Geopark Porphyrland wirkt stil- und landschaftsprägend in die Region. Sie erhält dadurch ihren unverwechselbaren Charakter, wie die Beispiele verdeutlichen.

Burg Mildenstein

Der Felssporn aus Leisniger Porphyr, auf dem Burg Mildenstein in Leisnig über der Freiberger Mulde thront, gehört zu den besonders sehenswerten Geotopen im Geopark Porphyrland. An der dortigen „Roten Wand“ kann man einen Lavafluss aus der Zeit vor etwa 295 Millionen Jahren entdecken. Die wohl im 10. Jahrhundert angelegte Burg zeugt eindrucksvoll von der Zeit als Reichsgut des Stauferkaisers Friedrich I. „Barbarossa“ (Kaiser Rotbart) im 12. Jahrhundert und war später Nebenresidenz der Wettiner. Beim Bau der repräsentativen Gebäude spielten regionale Baumaterialien eine zentrale Rolle.

Das um 1170 entstandene Rundbogenportal der Mildensteiner Kapelle zieren unterschiedlich farbige Werksteine: roter Rochlitzer, gelblicher Rüdigsdorfer und grauvioletter Hilbersdorfer Porphyrtuff in wechselnder Abfolge. Dieses Farbspiel macht das kleine romanische Portal zu einer baukünstlerischen Kostbarkeit.

Der Leisniger Bergfried, Wehrturm der Burg, gehört zu den frühesten Backsteinbauten in Mitteldeutschland. Die untere Zone bilden dunkel-graublaue Quader aus Tertiärquarzit, einem eingekieselten tertiären Sandstein. Darüber setzt Ziegelmauerwerk auf – ein Novum zur damaligen Zeit. Ob Barbarossas Bauhütten oder aber Zisterziensermönche die Ziegelbauweise in unsere Region brachten, lässt sich nicht mit letzter Gewissheit sagen. Ursprünglich noch höher als heute, überragt der mächtige Turm alle übrigen Gebäude der Burg und war nicht zuletzt wegen seiner leuchtend roten Farbigkeit ein beeindruckendes Zeichen kaiserlicher Macht. Das obere Drittel ist eine Reparatur von 1875, dem Zeitgeschmack entsprechend im Stil der Gotik gestaltet. Von der Plattform des Turmes sowie von etwa zeitgleich angelegten Aussichtspunkten im felsigen Außengelände können Besucher seither die Aussicht genießen.

Burg Mildenstein, Foto: Kati Lange

Schloss Rochlitz

Schloss Rochlitz, Foto: Virginia Hartig

Schloss Rochlitz, wie Leisnig aus einem frühen Burgward des 10. Jahrhunderts hervorgegangen, präsentiert sich in Bauformen der Spätgotik. Auf einer Felszunge am Ufer der Zwickauer Mulde steht auf altem Gebirge die Anlage mit den markanten Zwillingstürmen.

Sie war Nebenresidenz, Witwensitz und Jagdschloss der Wettiner. Lokal vorhandenes Gestein ist auch hier verbaut, zum Beispiel in der Finsteren Jupe, einem der beiden Turme: Die massiven Wände bestehen aus Garbenschiefer. Dieses Gestein aus nahegelegenen Brüchen im Muldental gehört zu einer Schichtenfolge, die eine über 550 Millionen Jahre alte Gesteinsserie, das sogenannte Granulitgebirge, umschließt. Aus vulkanischem Rochlitzer Porphyrtuff hingegen, auf dem benachbarten Berg seit Jahrhunderten als Baustein gewonnen, sind baukünstlerisch herausragende Details an Fassaden und in Innenräumen gearbeitet, die heute als sächsische Sonderform der spätgotischen Architektur gelten. Erstmals gestaltete hier Baumeister Arnold von Westfalen in den 1470er Jahren für die Fürstenbrüder Ernst und Albrecht von Wettin Fenster am Chor der Schlosskapelle und am Querhaus in neuen, bahnbrechenden Formen: filigranes Maßwerk, das oben in der Art eines gerafften Vorhangs abschließt. Mit diesen Vorhangbogenfenstern und weiteren in Rochlitz erfolgreich erprobten Innovationen, zum Beispiel Zellengewölben, wurde wenig später der Neubau der Meißner Albrechtsburg durchgängig ausgestattet.

Das Wissen dieser berühmten Bauhütte hat Schule gemacht, wie an etlichen Adelssitzen, aber auch an bürgerlichen Bauten der Region zu beobachten ist, zum Beispiel in den Schlössern Trebsen und Wurzen, der Rochsburg bei Lunzenau und Burg Kriebstein oder im Colditzer Rathaus.

Schloss Colditz

An der Zwickauer Mulde auf einem Porphyrfelsen liegt weithin sichtbar der mächtige Baukomplex von Schloss Colditz. Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert prägen die Anlage, mit Giebeln in Verzierungen der Renaissance, die, wie auch ältere Portale und Fenster, aus Rochlitzer Porphyrtuff bestehen. Schloss Colditz war kurfürstlicher Jagd- und Witwensitz.

Das Besondere sind hier die erhaltenen Reste einer Kulturlandschaft „en miniature“. Das Kurfürstenpaar Christian I. und Sophie von Brandenburg ließ um 1600 am Schloss Lustgärten anlegen, den angrenzenden Tiergarten – ein Wildgehege – als Jagd- und Vergnügungsort erweitern und mit einem Lusthaus, zahlreichen Fischteichen und Torhäusern ausstatten. Der Berg neben dem Schloss wurde für den Weinbau terrassiert. Zum Schutz des Wildes und als Zeichen eines gesonderten Rechtsbezirks bekam der Tiergarten eine hohe Umfassungsmauer. Aus Steinbrüchen in der unmittelbaren Umgebung, aber auch aus Leisnig kam ein Teil des benötigten Baumaterials. Diese gartenhistorisch bedeutende Gesamtanlage der Renaissancezeit kann heute auf einem ausgewiesenen Wanderweg erkundet werden.

Neben der Nutzung der Ressource Wald war für den sächsischen Hof in Colditz auch der Abbau eines weiteren Rohstoffs wichtig: „Colditzer weiße Erde“. Unweit vom Schloss befindet sich die alte Grube, aus der Ton für die seit 1708 erfolgreiche Herstellung des europäischen Hartporzellans gewonnen wurde. Colditzer Tonlagerstätten machten später die Stadt zu einem bedeutenden Standort der Keramikindustrie.

Schloss Colditz mit Bahnbrücke, Foto: Kati Lange

Wermsdorfer Kulturlandschaft und Schlösser

Schloss Hubertusburg, Foto: Kati Lange

Die Entwicklung der Wermsdorfer Kulturlandschaft und Schlösser ist eng mit der fürstlichen Jagd verknüpft, denn der Wermsdorfer Wald war – wie auch der Thümmlitzwald zwischen Colditz und Leisnig – eines der traditionellen Jagdgebiete der sächsischen Herrscher, der Wettiner. In den Laubmischwäldern wuchsen damals hauptsächlich Buche, Eiche, Birke, Kiefer und in den Auen Erle. Es ist der natürliche Gehölzbestand seit dem Eiszeitalter.

Im Ort entstand Ende des 16. Jahrhunderts zunächst ein Jagdhaus, Anfang des 17. Jahrhunderts gegenüber an der Stelle eines Vorgängerbaus das Alte Jagdschloss – ein Renaissancebau mit Gartenanlagen, der den Ansprüchen von Kurprinz Friedrich August II. jedoch nicht mehr genügte. Dessen Vater, König August „der Starke“, ließ deshalb anlässlich der Hochzeit des Sohnes mit der habsburgischen Kaiserstochter Maria Josepha auf einem Hügel ab 1721 das Jagdschloss Hubertusburg errichten – ein barockes Bauwerk von gigantischen Ausmaßen nach französischem Vorbild. Einschließlich der Umbauten ab 1743 unter der Leitung von Oberlandesbaumeister Johann Christoph Knöffel zählt die Anlage zu den größten und architektonisch bedeutendsten Schlössern Europas.

In das angrenzende Waldgebiet wurden zum Zweck der aus Frankreich neu eingeführten Parforcejagd Schneisen geschlagen. Die Grundlinie des Vermessungsnetzes verbindet den Treppenturm des Schlosses mit dem Turm des Wurzener Domes. Von Sachsendorf kommend, beeindruckt noch heute diese Sichtachse.

An fürstlichen Tafeln wurde nicht nur erlesenes Fleisch, sondern auch Zuchtfisch gereicht, vor allem Karpfen und Forelle. Die ältesten Teiche um Wermsdorf sind schon etwa 500 Jahre alt – und werden seitdem bewirtschaftet.

Die Wermsdorfer Wald- und Teichlandschaft ist heute ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Einmal mehr Beispiel für den hohen Erholungswert der Kulturlandschaft Geopark Porphyrland.