Berge und Türme

Rochlitzer Berg, Foto: Gotthard Lagegast

Die Hügel im Geopark Porphyrland ragen zwar nicht wie der Himalaya bis in den Himmel, aber sie bergen nicht weniger interessante Geschichten. In drei Richtungen markieren die weithin sichtbaren Zeugen der Erd- und Landschaftsentstehung das Gebiet. Gesteine, die der Verwitterung Jahrmillionen widerstanden, treten als Berge und Höhenzüge aus der überwiegend flachen Landschaft der Muldentäler hervor. Diese waren Siedlungs- und Zufluchtsort, Versammlungs- und Gerichtsort; im 19. und 20. Jahrhundert zentrale Vermessungspunkte, Orte romantischen Heimatgefühls und patriotischer Sehnsüchte; Rohstoffquellen oder einfach nur beliebte Ausflugsziele – letzteres bis heute. Erdgeschichte lässt sich hier mannigfaltig erleben: vom Gipfel geschaut, auf ausgewiesenen GeoRouten erkundet, kletternd auf Tuchfühlung mit dem Fels.

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Annett Steinert.

Rochlitzer Berg

Friedrich-August-Turm, Rochlitzer Berg, Foto: HVV Rochlitzer Muldental

Friedrich-August-Turm, Rochlitzer Berg,
Foto: HVV Rochlitzer Muldental

Der Rochlitzer Berg (353 m ü NHN), die höchste Erhebung im Süden des Geopark Porphyrland, war ebenso wie der Collmberg und der Löbenberg im Norden Teil eines mitteleuropäischen Vermessungsnetzes. Eine Triangulationssäule aus Sandstein steht seit 1866 auf der Plattform des Friedrich-August-Turmes. Der eckige, nach oben polygonale Turm wurde 1859 zu Ehren des verunglückten Königs Friedrich August II. von Sachsen errichtet, der zu Lebzeiten mehrfach den Rochlitzer Berg besucht hatte. Das ehrwürdige Bauwerk ist vollständig mit Werkstein aus Rochlitzer Porphyrtuff verblendet, entworfen von Eduard Heuchler aus Freiberg im romanischen Baustil mit lebensgroßen Löwenskulpturen am Portal – ein eindrucksvolles Beispiel für die baukünstlerischen Möglichkeiten des seit Jahrhunderten hier abgebauten Steins. Darüber hinaus bezeugt er aufschlussreich, wie der Rochlitzer Berg im frühen 19. Jahrhundert – im Zeitalter der Romantik – als Wanderziel inszeniert wurde. Steinbruchbesitzer Christian Gottlob Seidel beförderte ambitioniert den Turmbau. Zuvor ließ er 1817 in seinem eigenen Steinbruch die „Einsiedelei“ errichten, ein kleines Refugium mit gotischen Spitzbogenfenstern. Fels- und Waldlandschaften, teils mit Ruinen, waren ein beliebtes Motiv in der Bildenden Kunst jener Epoche – vermutlich hat sich Seidel davon inspirieren lassen. Sein Wirken begründet eine touristische Tradition auf dem Rochlitzer Berg, die bis heute ihrem besonderen Reiz hat: vielseitige Wanderwege und Themenpfade, Kletterwände oder Konzerte in alten Steinbrüchen – und immer wieder beeindruckende Aussichten in den Geopark Porphyrland.

Löbenberg/ Hohburger Berge

Höchste Kuppe der Hohburger Berge im Norden ist der Löbenberg (240 m u. NHN). Die durch den industriellen Steinabbau der vergangenen zwei Jahrhunderte geprägte „Hohburger Schweiz“ hat schon seit über 150 Jahren als Wander- und Klettergebiet Tradition. Der 1961 stillgelegte Steinbruch auf dem Gaudlitzberg ist wegen seiner Kletterwand und des jährlich stattfindenden Bergfilmfestivals international bekannt. Spektakuläre geologische Sehenswürdigkeiten bieten zwei kleinere Anhöhen: Das Geotop Gletscherschliffe am Spielberg sowie das Nationale Geotop Wind- und Gletscherschrammen am Kleinen Berg.

Gaudlitzberg, Foto: Ralps Schubert

Wachtelberg

Dehnitzweg auf den Wachtelberg, Foto: R. Heinze

Südlich der Hohburger Berge befindet sich der Wachtelberg (148,5 m u. NHN). Seine Kuppe krönt seit 1909 ein Turm des Architekten Wilhelm Kreis aus Lüptitzer Quarzporphyr mit wuchtigen, antik anmutenden Ecksäulen und Aussichtsplattform – ein ehemaliger Bismarckturm. Kreis gewann mit seinem Entwurf 1899 einen Studentenwettbewerb für Bismarcktürme. Zahlreiche solcher Monumente wurden zwischen 1871 und 1914 in patriotischer Gesinnung reichsweit errichtet, vielfach nach diesem Modell. Im Inneren des heute „Wachtelbergturm“ genannten Bauwerkes informiert eine Ausstellung über seine Erbauung sowie zur Flora und Fauna um den Wachtelberg. Dieser steht schon seit 1911 wegen des einzigen natürlichen Vorkommens der Gemeinen Kuhschelle in Sachsen unter Naturschutz und zählt damit zu den ältesten Schutzgebieten Deutschlands.

Collmberg

Im Osten dominiert der Collmberg (ca. 316 m u. NHN) in der flachen Landschaft. Die quarzitische Grauwacke, aus der er besteht, ist das älteste freiliegende Gestein des Geoparks Porphyrland. Schon in der Steinzeit wurde das extrem harte Material zu Werkzeugen verarbeitet. Ein seit 1975 unter Schutz stehender zugänglicher Steinbruch an der Südwest-Seite lieferte ab 1835 größere Mengen an Baumaterial. Der Collmberg war wohl slawisch besiedelt, wie Reste mehrerer Wallanlagen aus dem frühen Mittelalter bezeugen. Im 12./13. Jahrhundert hielten am Fuß des Berges unter einer Linde – sie steht noch heute im Kirchhof des Dorfes Collm – die Markgrafen von Meißen mehrfach Land- und Gerichtstage ab. Auf dem Gipfel steht der schlichte runde, durch eine Außentreppe erschlossene Albert-Turm von 1853, benannt nach dem späteren sächsischen König. Von hier oben genießt man eine hervorragende Sicht. Die 1865 aufgestellte Granitsäule auf der Aussichtsplattform war Triangulationspunkt I. Ordnung innerhalb eines auf ganz Mitteleuropa ausgedehnten Vermessungsnetzes. Mit optischen Hilfsmitteln konnte unter anderem der Fichtelberg angepeilt werden.

Aussicht vom Albert-Turm, Foto: LTM Kati Lange