Geotope2022-10-05T14:40:38+02:00

Geotope und Geotopschutz

Fotowettbewerb #steinerneorte | Geotop des Monats 10/2022 | Gaudlitzberg

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Der ehem. Steinbruch Gaudlitzberg. Foto: Grit Lettner

Supervulkan vor 290 Millionen Jahren?
Der Quarzporphyr glüht noch!

Das sagt – mit einem Augenzwinkern – GeoRangerin Grit Lettner, die uns dieses beeindruckende Foto vom Gipfel des Gaudlitzbergs ins Hohburger Land geschickt hat.
Der ehemalige Steinbruch auf dem Gaudlitzberg befindet sich reichlich einen Kilometer südlich von Röcknitz inmitten der Hohburger Berge. Die Kuppe des 220 Meter hohen Erhebung ist von eiszeitlichem Sandlöss bedeckt. Von 1890 bis 1961 wurde hier der Hohburger Quarzporphyr abgebaut. Aufgrund seiner guten Spaltbarkeit wurde er zuerst zu Pflastersteinen, später zu Schotter verarbeitet.
Seit 1997 betreut der Deutsche Alpenverein – Sektion Leipzig den Steinbruch auf dem Gaudlitzberg als Kletterfelsen. Zahlreiche Routen stehen an der 20 Meter hohen Felswand zur Verfügung. Einmal im Jahr findet am Gaudlitzberg das internationale Bergfilm-Festival statt. Es ist das älteste seiner Art in Deutschland; die erste Veranstaltung fand 1998 statt.

Aber selbst ein so bekanntes, hundertfach beobachtetes und fotografiertes Geotop wie die Kletterwand des Gaudlitzbergs hält noch Unbekanntes und Überraschendes bereit…

Ein „Permisches Überraschungsei“

Kurz unterhalb des Gipfels ragt eine kugelförmige Formation aus der Felswand, die sich deutlich vom umgebenden, eher kantigen Gestein abhebt.
Bei einer Begehung mit einem ehemaligen Steinbruchmitarbeiter stellte sich im August 2022 heraus, dass gegen Ende der Steinbruchaktivitäten im Gaudlitzberg dieses kugelförmige Gebilde freigelegt wurde. Nach ersten Einschätzungen handelt es sich hierbei um eine Magmaintrusion, die in das bereits gebildete Gestein eindrang und erkaltete, bevor es die damalige Erdoberfläche erreichte. Die umgebenen, ebenfalls abgerundeten Gesteinslagen unterstützen diese Theorie vom langsamen Erkalten einer kleineren Magmakammer.

Foto: Paul Winkler / Geopark Porphyrland

Kirchbruch Beucha

Wo einst Gesteine für Monumente unserer Zeit gebrochen wurden, thront jetzt in ca. 80 m Höhe die Bergkirche Beucha. Vor ca. 350.000 Jahren wurde der heutige Berg durch die Eiszeit abgeschliffen und erinnerte an einen Rundhöcker.
Im Verlauf der Geschichte gruben sich die Steinbrüche immer weiter zum Bergsporn voran. Durch den intensiven Abbau im Bereich des Kirchbruchs erhielt die Beuchaer Kirche, eine romanische Chorturmkirche, ihre exponierte Lage. Bis in die 1950er Jahre wurde der Beuchaer Granitporphyr abgebaut.
Was viele nicht wissen: Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig besteht aus eben diesem Gestein. Ein geschichtsträchtiger Ort also, der heute vor allem zum Angeln, Baden und Bouldern beliebt ist, denn der mit Wasser gefüllte Bruch beheimatet nicht nur viele Tiere und Pflanzen, sondern bietet auch einen spektakulären Blick von jeder Uferseite.

„Am Kirchbruch angekommen, baue ich mein Stativ auf, stelle meine Kamera ein und warte bis zum Einbruch der Blauen Stunde“ schreibt Christopher Arnold, Gewinner des 1. Preises unseres Fotowettbewerbs. Eine sehr gelungene Aufnahme, die wahrhaft Stimmung transportiert.

Auch an Michael Tolnai vergaben wir den 1. Platz für seine Aufnahme der Beuchaer Bergkirche aus beeindruckender Perspektive. Die Wolken am Himmel vermitteln den Eindruck, dass die Zeit rennt. Der Steinbruch dagegen hält der Zeit und der Witterung stand.

            
Foto: Christopher Arnold
                                                                       Foto: Michael Tolnai

Bruchwächter am Seidelbruch

Als ob er extra dort hingestellt worden wäre: Der „Bruchwächter“ ist ein freistehender Porphyrzahn aus dem berühmten Rochlitzer Porphyr beim Seidelbruch auf dem Rochlitzer Berg.

Durch seine deutliche rote Färbung ist das Gestein relativ einfach zu identifizieren. Wer aufmerksam durch die Stadt Leipzig geht, sieht, dass es dort häufig Verwendung gefunden hat. Neben steinernem Gebäudeschmuck ist auch am Eingang zur S-Bahn-Station am Leipziger Markt der rote Stein zu finden.

Mit wachsamem Auge beäugt der Riese hier in Rochlitz große und kleine Kletterer, die sich am Seidelbruch versuchen, denn dieser bietet mit seiner guten Zugänglichkeit optimale Bedingungen für verschiedene Schwierigkeitsgrade. Auch der sanfte Riese selbst kann erklommen werden.

Mit Schnee bedeckt wirkt er ganz ruhig – wie im tiefen Winterschlaf.

Vielen Dank an Marlies und Gunter Aurig, die hier auf den Auslöser gedrückt haben.


Foto: Marlies und Gunter Aurig

Mühlsteinbruch in Sornzig

Zu ihrem Foto schrieb GeoRangerin Kerstin Helbig:

„Wo vor ungefähr 300 Millionen Jahren ein Supervulkan Glut und Aschewolken ausspuckte, steht heute der Kemmlitzer Porphyrfelsen versteckt hinter dem Sornziger Feuerwehrhaus. Im Sommer durch Sträucher und Bäume verdeckt, erstrahlt er dagegen in der kälteren Jahreszeit umso mehr. Im Gegensatz zum Rochlitzer Porphyr kommt der Kemmlitzer etwas bescheidener daher.
Direkt am Hasenbach herrschte im Mittelalter reges Treiben. Das Dörfchen Sornzig war zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt. Während die Zisterzienserinnen nebenan im Kloster Marienthal bereits mit dem Obstbau beschäftigt waren, wurde im Steinbruch fleißig abgebaut. Aus dem Gestein wurden Handmühlen für Getreide hergestellt. Daher erhielt Zornoseky, wie Sornzig im Slawischen genannt wird, seinen Namen: Dorf der Mühlsteinbrecher. […] Der Stein hat mich zu meinen Mühlsteinkeksen inspiriert, die ich immer für die Besucher meiner Touren backe.“

Wer jetzt neugierig geworden ist, bucht am besten eine Führung mit Kerstin Helbig im Geoportal Bahnhof Mügeln.

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Der Mühlsteinbruch in Sornzig. Foto: Kerstin Helbig

Westbruch in Waldsteinberg

Diese beiden geschuppten Bewohner des Westbruchs bei Brandis hat Elke Scholz vor die Linse bekommen.
Oder… ist es gar nur einer, der sich auf sonderbare Weise im Wasser spiegelt?

Im Jahr 1939 begann die Erschließung des Westbruchs als Steinbruch. Abgebaut wurde hier Granitporphyr – das gleiche Gestein, aus dem auch das Leipziger Völkerschlachtdenkmal besteht. Heute wird die Felswand besonders gern von Kletterern genutzt, die sich erst mit dem Seil die Wand herablassen und anschließend wieder hochklettern. Taucher können dagegen unter der Wasseroberfläche noch vereinzelte Relikte aus der Zeit des Bergbaus finden. Vor allem aber haben Sie sich einen kleinen Unterwasserspielplatz geschaffen, wo auch eine alte Telefonzelle neben einem Porzellanschwein zu finden sind.

Wo der Werkstein in der Natur „fehlt“, hat sich längst glasklares Wasser gesammelt. […] Außerdem hat man vom Westbruch aus einen wunderschönen Ausblick in Richtung Leipzig. Man sieht z.B. das Völkerschlachtdenkmal und den Uni-Riesen in Leipzigs Skyline, weiß Elke Scholz. Wer heute gern am Westbruch unterwegs ist, kann mit etwas Glück auch rot-weißliche Kois im Gewässer entdecken. 

Foto: Elke Scholz

Den „Wolfser“ kenne ich schon seit Kindheitstagen, da ich dort ab und an mit den Eltern im Sommer baden war. Auch jetzt finde ich ihn immer wieder schön, um sich im Sommer mal kurz zu erfrischen. Er ist, wie ich finde, trotz der sichtbaren Erhebung doch irgendwie versteckt und man trifft meist nur einzelne Menschen. Ich komme einfach gern zu jeder Jahreszeit dort hin, um ein bisschen Ruhe zu erfahren. Ansonsten wirken Steinbrüche auf mich immer etwas bedrohlich und darum auch gleichzeitig faszinierend, mit den steilen tiefen Abbruchkanten und der Ungewissheit, wie tief das Wasser darunter ist…
Diese ganz persönliche Sicht auf den Steinbruch Wolfsberg bei Lüptitz teilt uns Susanne Mühlner mit.

Die Gesteine des Wolfsbergs sind der Wurzen-Caldera zuzuordnen, die sich vor etwa 287-285 Mio. Jahren in der zweiten großen Supervulkanismus-Phase bildete. Der vorhandene Pyroxenquarzporphyr ist aufgrund seiner Eigenschaften bis heute als Baumaterial, Pflaster- und Schottterstein begehrt. Sein industrieller Abbau führte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung im Raum Wurzen. Der Wolfsberg, in dem von 1864 bis 1930 Quarzporphyr gewonnen wurde, war einer von mehreren Brüchen des bedeutenden Steinbruchunternehmers Friedrich Wilhelm Zachmann.

Optisch wirkt diese Spielart des Porphyrs mit seiner rötlichen Grundfärbung und den hellen Einschlüssen besonders lebendig. Susanne Mühlner findet: Wenn dann […] noch kleine Blumen beinahe wie auf dem Gestein wachsen, bewundere ich die zarten Blüten auf so einem Extremstandort. Ihrer Faszination am Porphyrgestein in Verbindung mit der dort angesiedelten Flora stimmen wir voll und ganz zu!
Die Wassertiefe misst übrigens etwa 10-15 m. An seiner höchsten Stelle ragt der Wolfsberg ca. 161 m über den Meeresspiegel. Heute wird das Gewässer nicht nur zum Baden genutzt, sondern auch Angler erfreuen sich an dem mit Wasser gefüllten Steinbruch.

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Foto: Susanne Mühlner

Diese Einsendung zu unserem Fotowettbewerb 2021 stammt von Anett Hansen. Ihr gelang im Sommer des letzten Jahres das Foto mit einem fast perfekten Spiegelbild des Sees, der sich in dem stillgelegten Steinbruch gebildet hat.

Vor 400.000 bis 126.000 Jahren rückten gewaltige Eismassen der Elster- und Saaleeiszeit nach Sachsen vor und verpassten den einstigen Porphyrbergen im Geopark einen ordentlichen Schliff. Das gleitende Gletschereis trug dabei den Untergrund ab, weil der im Eis eingeschlossenen Gesteinsschutt wie Sandpapier über die Fläche glitt. Was heute davon am Spielberg noch zu sehen ist, sind typische Gletscherschrammen und –schliffe, die auch Kritzungen genannt werden. Diese Spuren verraten uns nicht nur die glaziale Vergangenheit, sondern auch, aus welcher Richtung die Gletscher kamen.

Anhand von „Schrammen im Fels“ in den Hohburger Bergen haben Wissenschaftler im 19. Jahrhundert die Inlandeistheorie entwickelt, heiß diskutieret und letztlich belegt. Nicht weit vom Spielberg, am Kleinen Berg, sind ebensolche Phänomäne zu beobachten. Sie haben aufgrund ihrer geologischen Bedeutung den Rang eines „Nationalen Geotops“.

Foto: Anett Hansen

„Das grimmige Gesicht“

Dass es auf dem Rochlitzer Berg einen Berggeist geben könnte, darin sind sich viele Besucher einig. Gesehen hat ihn bisher aber noch niemand. Unser Geotop des Monats ist das „Beweisfoto“. Es stammt von Hans-Joachim Bucketin, der sich auf einer Wanderung unterhalb der Ausflugsgaststätte plötzlich „beobachtet“ fühlte und dieses grimmige Gesicht entdeckte.

Felsvorsprünge und die Pflanzenwelt zaubern je nach Lichtstimmung immer wieder Figuren in den Rochlitzer Porphyrtuff, dessen Abbau bis in das Mittelalter zurück reicht. Die Haberkornschen Brüche, in denen das Foto aufgenpommen wurde, sind dabei ein fester Bestandteil des Porphyrlehrpfades, auf dem die Besucher auf 15 Stationen Interessantes über die Geschichte des Abbaus des „Sächsischen Marmors“ erfahren.

Karl Wilhelm Haberkorn war es auch, der um 1860 eine Gastwirtschaft auf einer Abraumhalde eröffnete. Bei der Einweihung erhielt sie den Namen „Waldschlösschen“. Heute wird dieses sehenswerte Gebäude nach langer Zeit wieder zu neuem Leben erweckt und saniert – gar nicht weit entfernt von unserem „Berggeist“, der angesichts von so viel Tatendrang auch einmal lächeln könnte…

Das grimmige Gesicht. Foto: Hans-Joachim Buckentin

Den Steinbruch im Naunhofer Ortsteil Ammelshain fotografierte Vincent Pawlas für uns.
Der vom Fotografen gewählte Blickwinkel in den ehemaligen Steinbruch, verstärkt durch das schmale Bildformat, versetzt uns in schwindelerregende Höhe an den äußersten Rand der Abbruchkante. Fest verwurzelt im Gestein, hält sich dort eine krüppelige Kiefer. Von hier aus wird unser Blick die Steilwände entlang gelenkt, wo das Porphyrgestein zerklüftet offenliegt.

Die gefahrvolle Stimmung des Bildes täuscht: Wo bis 1950 Quarzgranitporphyr abgebaut wurde, befindet sich heute das idyllische Naturschutzgebiet „Haselberg“. Der mit Wasser gefüllte Steinbruch misst an seiner tiefsten Stelle ca. 27 Meter. Die 8 bis 15 Meter hohen Steilwände, die den See säumen, schaffen ein einzigartiges Landschaftsbild und laden zum Verweilen und zu Naturbeobachtungen ein. Aufgrund der besonderen Unterwasserlandschaft, bei der noch heute Überbleibsel des Bergbaus – z.B. Schienen und Loren – zu finden sind, ist das Gewässer besonders bei Tauchern beliebt. Heute wird das TANA – das Tauchsport- und Naturschutzzentrum Ammelshain – ganzjährig als Ausbildungsgewässer genutzt.

Die Gesteine des Haselbergs sind der Wurzen-Caldera im nördlichen Teil des Geopark-Gebiets zuzuordnen. Diese Caldera bildete sich im Perm (Rotliegend) vor etwa 287 – 285 Mio. Jahren in der zweiten großen Supervulkanismus-Phase. Die entstandenen Gesteine sind pyroklastischen Ursprungs – teils Vulkanite, teils Sedimentite. Sie entstehen, wenn halbfestes Material aus heißen Magmen explosionsartig an die Oberfläche befördert wird (Maucher 1960). Verschmelzen diese Gesteinsfragmente miteinander, spricht man von Ignimbriten. Die Gesteine des Wurzen-Ignimbrits werden als Pyroxenquarzporphyr bezeichnet. In Ammelshain ist eine Varietät, der sogenannte Quarzgranitporphyr, aufgeschlossen. Die Gesteine werden von Gangsystemen aus subvulkanischen Gesteinen wie Granitporphyr, Rhyolith und Andesit durchzogen (Röllig, 1969; Repstock et al., 2018). Beim Aufstieg dieser Ganggesteine kam es zur Durchmischung mit andersartigen Magmen. Dieser Prozess wird auch als „Magma mingling“ bezeichnet. Daraus entstanden sogenannte „entmischte“ Lagergänge (Gläßer, 1983). Diese sind u.a. im Steinbruch Haselberg bei Ammelshain zu finden. (Repstock et al., 2018).

Foto: Vincent Pawlas

Geotope vorzustellen, die persönliche Erinnerungen wecken und zum Erzählen motivieren – das war Anliegen unseres Fotowettbewerbs. Ganz in diesem Sinn hat uns Karina Rönisch zum Steinbruch Mark Schönstädt (Gemeinde Lossatal, ehem. Ortsteil von Meltewitz) mitgeteilt, was ihr früher und heute dieser steinerne Ort bedeutet:

Aufgewachsen in Mark Schönstädt, war der Steinbruch für mich immer mit Sprengungen, lauten Güterzügen und später LKWs verbunden. Nachdem der Steinbruch geschlossen wurde, war das Gelände für uns lange Zeit noch „Sperrgebiet“. Erst jetzt, ein knappes Vierteljahrhundert nach der Stilllegung, habe ich die Schönheit dieses Gebietes für mich entdeckt und komme immer wieder gern hierher. Der Steinbruch ist zu jeder Jahreszeit einfach wunderschön und voller Zauber… so ganz anders als in meiner Kinderzeit.

Tatsächlich ist dieser steinerne Ort ein echter Geheimtipp für alle, die Erholung mit Aussicht auf eine beeindruckende Naturkulisse suchen. Der industrielle Charakter des Steinbruchs hat sich seit seiner Stillegung 1961 grundlegend gewandelt, denn hier befindet sich heute das idyllische Waldbad Mark Schönstädt. Beeindruckend ist auch die Geschichte dieses Steinbruchs: Der Eisenbahnpionier Gustav Harkort erschloss ihn, als er ab 1835 mit dem Bau der Ferneisenbahnlinie Leipzig-Dresden beschäftigt war. Der dort gewonnene Quarzporphyr diente als Schotter für die Gleise. Im wüsten Ort Mark Schönstädt ließ er außerdem Wohnhäuser errichten und siedelte dort Steinarbeiter an. Harkorts Wirken begründete somit den industriellen Steinabbau im nördlichen Geopark um Wurzen.


Herbst am Steinbruch Meltewitz. Foto: Karina Rönisch

Ein Geotop – was ist das?

Geotope sind geologische Sehenswürdigkeiten wie Steinbrüche, besondere Gesteinsformationen, Gesteinsaufschlüsse, besondere Landschaftsformen oder Mineralquellen. Sie sind Fenster in die Erdgeschichte und in den Untergrund. Geotope tragen Spuren vom Werden und Vergehen riesiger Gebirge, vom Wechsel klimatischer Verhältnisse und vom Verlauf der Flüsse. Unter den vielen Geotopen im Geopark Porphyrland zählen drei – die Windschliffe und Gletscherschrammen am Kleinen Berg bei Hohburg, der Porphyrtuff vom Rochlitzer Berg und der Kirchbruch in Beucha – zu den Nationalen Geotopen Deutschlands.

Geotope sind in der Regel frei zugänglich. Bitte beachten Sie die markierten Betretungsverbote an den Steinbruchkanten und respektieren Sie beim Besuch von Geotopen die Belange des Geotop- und Naturschutzes! Geotope sind nicht nur einzigartige Zeugnisse der Erdgeschichte, sie sind auch Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten. Wenn Geotope einmal zerstört sind, sind sie unwiederbringlich verloren.

Geotopschutz im Geopark Porphyrland

Geotopschutz ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit eines Geoparks und hat die Erhaltung und Pflege besonders schützenswerter Geotope zum Ziel. Aufgrund ihrer Seltenheit, Eigenart oder Ästhetik sind diese von großer Bedeutung für Wissenschaft, Forschung, Bildung und Kultur. Einen rechtlichen Schutzstatus besitzen solche Geotope als Natur- oder Bodendenkmäler, Nationale Naturmonumente oder durch ihre Lage in einem Landschafts- oder Naturschutzgebiet.

Konkrete Schutzmaßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden abgestimmt und in Pflegeverträgen mit den Verantwortlichen festgeschrieben. Sie dienen der Öffentlichkeitswahrnehmung geologischer Naturdenkmäler, ihrer Zugänglichkeit für wissenschaftliche Forschungs- und umweltpädagogische Zwecke sowie der Förderung nachhaltiger Regionalentwicklung unter Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Belange. Somit leistet Geotopschutz einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung und nachhaltigen Nutzung der Geotope in Form von naturverträglichem Tourismus.

Neue Geotope gesucht!

Sie sind auf unbekannte geologische Formationen oder gar Fossilien gestoßen? Sie kennen alte Steinbrüche, Bergbauzeugen oder Felswände, die noch im Dornröschenschlaf liegen?

Dann teilen Sie doch Ihre Entdeckung mit uns!

Ihr Fund

  • liegt in der Gebietskulisse des Geoparks Porphyrland (siehe Karte)?
  • besitzt einen Themenbezug zum Geopark (Industriekultur, GeoRohstoff, Natur und Landschaft)?
  • ist geologisch besonders, einzigartig, selten oder einfach schön?
  • ist öffentlich und gefahrenfrei über begehbare Wege zugänglich?

Möglicherweise handelt es sich dabei um ein bedeutendes Geotop. Wir freuen uns über Ihre Vorschläge und eine mögliche Geotop-Patenschaft!
Melden Sie sich einfach unter info [at] geopark-porphyrland [dot] de, Stichwort: Geotop.

Flyer | Aufruf Geotop-Patenschaften

Praktischer Geotopschutz

In Kooperation mit dem Bildungs- und Sozialwerk Muldental e.V. bekommt der Geopark Porphyrland tatkräftige Unterstützung beim Geotopschutz. Im Rahmen des am 01.11.2021 begonnenen Projektes „Strom aufwärts“ helfen die Teilnehmenden zwei Jahre lang bei der Pflege von Geotopen und Georouten in den Städten Leisnig, Colditz und Grimma. Mit gemeinsamen Müllsammelaktionen, dem Freischnitt von Vegetation und der Markierung von Wegen werden unsere Geotope und Georouten für die Besucherinnen und Besucher herausgeputzt.

Jedes Jahr am dritten Samstag im September findet der World Cleanup Day statt, die weltweit größte Sammelaktion im Kampf gegen Umweltverschmutzung. Wir nutzen diesen Tag, um gemeinsam mit freiwilligen Helfern und Helferinnen unsere Geotope und Georouten von achtlos beseitigtem Müll zu befreien.

Müllbereinigung im Geotop Schwemmteichbrüche anlässlich des Tag des Geotops 2021 World Cleanup Day 2021 im Schwemmteichbruch bei Grimma. Foto: Geopark Porphyrland

Bedeutende Geotope im Geopark Porphyrland

Kirchbruch Beucha

Der Beuchaer Granitporphyr (Mikrosyenogranit) ist vor allem durch den Einsatz beim Bau des Völkerschlachtdenkmals von Leipzig bekannt geworden. Er entstand aus sauren, quarzreichen Magmen, die in Form von Gängen und Stöcken erkalteten. In die Gesteinsgrundmasse sind zahlreiche millimeter- bis zentimetergroßen Einsprenglingen eingestreut. Es wurde aufgrund seiner guten Spaltbarkeit, Festigkeit und hohen Verwitterungsbeständigkeit bereits seit dem 15. Jahrhundert als Werkstein in zahlreichen Gebäuden der Region verbaut.

2022-07-07T14:47:17+02:00

„Großer Monolith“ und Knollenstein „Teufelsstein“

Im Thümmlitzwald bei Grimma finden sich entlang der Wanderwege zahlreiche solitär stehende Steine - zwei von sind der „Große Monolith“ und der „Teufelsstein“. Das verwitterungsbeständige Gestein entstand im Tertiär durch Zementation von Sanden und Kiesen durch kieselsäurehaltige Wasser (Tertiär-, Braunkohlen-, Süßwasserquarzite, Knollensteine).

2020-03-19T11:50:13+01:00

„Eulenkluft“ bei Wechselburg

Die Eulenkluft bei Wechselburg ist eine ca. 50 Meter m hohe Felswand linksseitig der Mulde. Sie besteht aus sog. Garbenschiefer, einem kontaktmetamorphen Gestein, das seinen Namen durch die zentimetergroßen Mineralbildungen auf den Schieferflächen erhalten hat. Der Garbenschiefer ist Teil des Schiefermantels des sog. Granulitgebirges, einer aus metamorphen proterozoischen Gesteinen bestehenden geologischen Baueinheit in Sachsen.

2020-03-12T12:54:28+01:00

Spitzberg

Seinen Namen erhielt der Spitzberg durch seine einstige Kegelform, die leider dem intensiven Bergbau der Region zum Opfer fiel. Der Spitzberg wurde von 1888 bis 1928 zur Gewinnung einer pyroxenarmen Abart des Hohburger Quarzporphyrs genutzt. Heute ist das Gebiet um den Spitzberg ein Naturschutzgebiet. Zahlreiche selten Tier- und Pflanzenarten sind hier heimisch.

2020-03-12T13:00:07+01:00

Versteinerter See bei Börtewitz

Der „versteinerte oder fossile See“ Börtewitz ist ein Flächennaturdenkmal bei Börtewitz. In einem offenen Schurf, Relikt von mehreren geowissenschaftlichen Grabungen, sind mehr oder wenig geschichtete Seesedimente aufgeschlossen. Darin konnte ein reichhaltiges Fossilmaterial - Pflanzenreste, Ostracoden, Conchostracen, Insekten, Myriapoden, Fische und Amphibien - aus der Permzeit gefunden werden. Diese Fossilien sind für die Rekonstruktion der damaligen Lebewelt und auch von internationaler Bedeutung.

2020-03-12T13:27:03+01:00
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