Gleisbergbruch um 1930, Foto: Privatarchiv der Familie Aletter

Industriekultur im Geopark Porphyrland

Seit Jahrhunderten werden Werk- und Schottersteine aus Rhyolith und Porphyrtuff abgebaut. Lockergesteine wie Kaolin und Tone, Lehm, Kies und Sand treten im Gebiet des heutigen Geoparks ebenfalls in großem Umfang auf. Mit der Industrialisierung und der damit einhergehenden intensiven Rohstoffgewinnung veränderte sich auch das natürlich gewachsene Landschaftsbild. Die ursprünglich aus agrarischen und handwerklichen Siedlungen und Kleinstädten bestehende Region wandelte sich. Die Industrie der Steine- und Erdengewinnung hielt Einzug und mit ihr Herstellerbetriebe zur Fertigung von Geräten und Anlagen zum Rohstoffabbau und -transport. Heute ist es Aufgabe, die Zeugnisse der industriellen Entwicklung zu erhalten, zu erklären und damit die Leistungen des Handwerks, der Industrie und Wirtschaft innerhalb der zurückliegenden 150 Jahre zu würdigen. Zugleich geht es um das Verstehen der heutigen Industrie. Die Akzeptanz des heutigen und künftigen Rohstoffabbaus wird befördert und die dabei notwendigen Eingriffe in die Landschaft werden in die langfristige Entwicklung der Industriekulturlandschaft eingeordnet.

Einzigartig und kostbar – Rochlitzer Porphyrtuff

Edler Stein für Steinmetz-Kunst und Architektur

Bereits in der Bronzezeit, vor ca. 3000 Jahren, wurde das am Rochlitzer Berg gebrochene Gestein zur Herstellung von Mahlsteinen genutzt. Ab dem frühen Mittelalter gewinnt das Gestein als Baustein zusehends an Bedeutung.Das bekannteste romanische Bauwerk ist das Benediktinerkloster Wechselburg.

Gleisbergbruch Rochlitzer Berg, Foto: Frank Schmidt

In der Gotik nahmen Verwendung und Verbreitung des Rochlitzer Porphyrtuffs weiter zu. Beispielhaft zu nennen sind die Burg Kriebstein bei Waldheim sowie der Chorbau und das Schiff der St. Kunigundenkirche in Rochlitz. Verwendet wurde der Stein auch recht früh für Brücken – 1333 für die Brücke zu Bad Düben und hundert Jahre später für die Rochlitzer Werksteinbrücke über die Zwickauer Mulde.

Die erste Steinmetzhütte als Zunft entstand in Rochlitz vermutlich im 15. Jahrhundert. Die „Rochlitzer Hütte“, der traditionelle zünftige Zusammenschluss der Steinmetze und Steinbruchbesitzer, blieb bis in das 19. Jahrhundert hinein Organisationsform des Gewerbes der Steinhauer und Steinmetze. Zu den bedeutendsten Bauten dieser Zeit zählt das von Hieronymus Lotter erbaute Alte Rathaus zu Leipzig. Zuletzt wurden in Verantwortung der Hütte die Steinbrücke über die Zwickauer Mulde in Wechselburg und der Friedrich-August-Turm auf dem Rochlitzer Berge erbaut.

Schloss mit Porphyrschau

Porphyrschau Schloss Rochlitz, Foto: Dirk Rückschloss

Die ehemalige Hofstube auf Schloss Rochlitz aus dem Jahr 1588 beherbergt seit einiger Zeit die Porphyrschau. Verfolgen Sie mit Hilfe von Ausstellungsstücken und informativen Tafeln die Entstehung des Rochlitzer Porphyrs und die Entwicklung des Abbaus. Neben historischen Werkzeugen sehen Sie das Wanderbuch des späteren Bruchbesitzers Johann Gottlieb Schilling aus den 1820er Jahren, die Abschrift einer Urkunde von König Ferdinand II. und verschiedene Skulpturen aus dem 12./13. Jahrhundert.

Entwicklungen im Steinbruch

Das heute auf dem Rochlitzer Berg tätige Abbau- und Verarbeitungsunternehmen „Vereinigte Porphyrbrüche auf dem Rochlitzer Berge“ GmbH versichert sich in seiner Firmen-Vita einer langen Geschichte als „Rochlitzer Porphyr-Manufaktur seit 1585“. Sie bezieht sich auf den vom ersten Steinmetz der Familie Haberkorn seit dieser Zeit betriebenen Steinbruch. Die damaligen Steinbruchbesitzer gründeten 1897 nach eigener Aussage die dritte sächsische GmbH. Dazu gehörten die Steinmetze und Steinbruchbesitzer Emil und Oswald Haberkorn, Clemens und Otto Seidel und der Wechselburger Emil Schilling.

Die Handschrift der Rochlitzer Steinhauer tragen zahlreiche Objekte der Staatseisenbahnlinie Chemnitz-Leipzig, z.B. das Viadukt Göhren, die Bahnhöfe Cossen und Rochlitz sowie sämtliche Stations-Steine. Zunehmend entdeckte das Bürgertum den Stein für Bürgerschulen (Rochlitz), Industriearchitektur (Eisenwerke in Hof und Schwarzenstein), Universitäten (Lehrgebäude und Gewächshäuser des Botanischen Gartens Leipzig), Unternehmervillen und Rathäuser (Colditz, Groitzsch) sowie Grab- und Denkmäler. Zahlreiche Kirchenrenovierungen und -umbauten führten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer wachsenden Nachfrage nach Rochlitzer Porphyrtuff.

Mit verbesserten Transportmöglichkeiten in Europa wuchs die Konkurrenz. Vor allem skandinavische Steinbruchunternehmen drängten auf den deutschen Markt. 1907 bis 1909 wurde am Verladebahnhof Breitenborn ein Werkbetrieb mit modernem Steinsägewerk aufgebaut. Das Werk erhielt Anschluss zur Königlich-Sächsischen Staatsbahn und damit auch an die rasant wachsenden Großstädte Leipzig, Chemnitz und Dresden aber auch andere Großstädte wie Hamburg. Mithilfe des 1924 eingeweihten Steinbrech- und Walzwerk wurde aus zerkleinertem Tuff Porphyrgrus für Putze, Wegbeläge und Sportstätten gewonnen.

Leipziger Innenstadt

Leipziger Untergrundmessehaus, Foto: A. Krüger

Zu den bedeutenden Bauten jener Jahre gehören Gebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse, das Untergrundmessehaus in Leipzig sowie das Leipziger Grassi-Museum. Als Schmuck für Grabmale und Denkmäler verbreitete sich der Stein über den ganzen deutschsprachigen Raum. Das Grabmal Immanuel Kants in Königsberg wurde 1923 in Rochlitzer Porphyrtuff ausgeführt. Auch bedeutsame Brückenbauwerke, wie die Pöppelmannbrücke über die Mulde in Grimma wurden mit dem roten Gestein verbaut.

Nach Kriegsende 1945 blieben die Brüche in Privatbesitz der Familie Haberkorn, bis sie 1972 verstaatlicht wurden. 1990 wurde der Betrieb an Ruth Haberkorn rückübertragen. 1991 übernahm die Kalenborn KG aus Essen das Unternehmen. Einer der größten Aufträge war die Verkleidung für den 2015 geweihten Neubau der katholischen Kirche der Kirchgemeinde der Leipziger Probsteikirche St. Trinitatis in Leipzig.

Erfahren Sie mehr über den Rochlitzer Porphyr im GeoPortal Herrenhaus Röcknitz!

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Dr. Viola Heß, Dr. Kurt Goth.

Granitporphyr für das größte Denkmal Europas

Beuchaer Granitporphyr, Anschliff, Foto: A. Hartmann

Beuchaer Granitporphyr, Anschliff, Foto: A. Hartmann

Im nordwestsächsischen Vulkanitkomplex wurden Magmen und Tuffe in mächtigen Schichten abgelagert. Im Zuge von Intrusionen entstand der Beuchaer Granitporphyr, ein in rund einem Kilometer Tiefe erstarrter Magmakörper aus der Rotliegendzeit. Den besonderen Wert des Beuchaer Granitporphyrs zur Natursteinverwendung erkannte als erste die Firma Günther & Fiedler im Jahre 1884. Zwei bayrische Steinmetze sollten den Stein auf Tauglichkeit für ihr Handwerk prüfen. Dieser erwies sich nicht nur als geeignet für die Bearbeitung in Werkstätten, Sägereien und Schleifereien. Seine Härte, hohe Druckfestigkeit, Wetterbeständigkeit, Wasserundurchlässigkeit und Polierfähigkeit eröffneten neue Chancen in Bau und Architektur. Hinzu kam die Mächtigkeit der Steine im Felsverband.

Umgehend wurden Steinmetze in Beucha angestellt und eine Lehrausbildung begonnen. Die Stadt Leipzig entwickelte in der Blütezeit von Historismus und Jugendstil einen enormen Bedarf an Naturstein. Die prächtigen Bürgerhäuser im Waldstraßenviertel tragen Stufen und Sockelverkleidungen aus Beucha. Granitporphyr wurde verlegt beim Bau des Hauptbahnhofes, der Deutschen Bücherei (heute Deutsche Nationalbibliothek), des damaligen Reichsgerichtes (heute Bundesverwaltungsgericht) und bei der Restaurierung des Alten Rathauses.

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, Foto: LTM, Andreas Schmidt

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, Foto: LTM, Andreas Schmidt

1894 beschlossen Leipzigs Stadträte den Bau des Völkerschlachtdenkmals, das in seinen sichtbaren Teilen komplett aus Beuchaer Granitporphyr errichtet wurde. Am 300.000 Tonnen schweren Denkmal wurden 26.500 Steine verbaut, die im Steinbruch „Sorge“ und im Kirchbruch von Beucha gebrochen wurden. 1560 Steinmetze und 450 Arbeiter, u.a. aus Bayern, dem Fichtelgebirge und Italien, wurden für dieses große Projekt eingestellt.

Der erste Weltkrieg brachte die Steinindustrie in Beucha allerdings fast zum Erliegen. Nur noch ein Bruchteil der einstigen Belegschaft stellte zunächst Straßenpflaster her. Erst in den 1930er Jahren waren Werksteine aus Beucha für Brücken und Gebäude wieder gefragt. Der zweite Weltkrieg setzte dem schnell wieder ein Ende.

Im Oktober 1945 wurden die drei großen Beuchaer Natursteinbetriebe durch die sowjetische Militäradministration enteignet und demontiert. Die Betriebe übernahm anschließend der VEB Granitwerke Beucha. Die technische Ausrüstung blieb bis in die sechziger Jahre mangelhaft. Aber Ruf und Können der handwerklich erfahrenen Techniker und Steinmetze sicherten weitere Aufträge: das Denkmal der Begegnung in Torgau, ein Teil des Buchenwalddenkmals und Brücken für die Grachten in Amsterdam. In den 1960er Jahren beförderten Wohnungsneubau einen großen Bedarf. Mehr als 15 000 Quadratmeter Platten aus Granitporphyr wurden allein in der Leipziger Innenstadt verbaut. Von hier kam auch kurz vor der Wende der große Auftrag für den Querbahnsteig des Leipziger Hauptbahnhofes. Erst 1996 stellte der inzwischen modernisierte Betrieb seine Arbeit ein.

Das Dorf der Steine Beucha

Das 3000 Einwohner zählende Dorf Beucha nennt sich zu Recht „Dorf der Steine“. Steinbrüche prägen das Ortsbild; in der Ortsmitte verdoppelt sich im Wasserspiegel des einstigen Kirchbruchs das Bild der Beuchaer Bergkirche. Der schon den Slawen als Kultort dienende Kirchberg sollte Mitte des 19. Jahrhunderts samt mittelalterlicher Kirche für die Steingewinnung abgetragen werden. Doch der damalige Pfarrer Stephani erhob erfolgreich Einspruch. Heute sind Bergkirche und Kirchbruch das Wahrzeichen von Beucha und beliebtestes Fotomotiv.

Kirchbruch, Beucha

Kirchbruch, Beucha, Foto: W. Hebold

Durch den Rundbogen des Wasserturms steigt man zur Kirche hinauf. Von hier aus kann man bei schönem Wetter das Völkerschlachtdenkmal sehen und Einblicke in den Steinbruch „Sorge“ erhalten. Es ist der einzige der fünf Beuchaer Steinbrüche, der heute noch genutzt wird. An dem am Ortsausgang Richtung Brandis liegenden ehemaligen „Tollertbruch“ findet sich zur Erinnerung an den Abbau von Granitporphyr eine Lore aus dem Steinbruch, etliche Blöcke Granitporphyr und eine Hinweistafel. Vom Kirchbruch aus findet man in der August-Bebel-Straße das Steinarbeiterdenkmal von 1984. Auf figürliche Darstellung wurde bewusst verzichtet, damit nicht der Bildhauer, sondern der Steinmetz dominiert. Der Leipziger Bildhauer Hans Förster entwarf die Steinsäule.

Kirchbruch Beucha, Stelen zur Veranschaulichung der verschiedenen Gesteinsarten der Region Leipzig, Foto: Anja Hartmann

Stelen mit Gesteinsarten der Region Leipzig, Foto: Anja Hartmann

Nur wenige Schritte weiter begegnet man Resten des einstigen Aufzuges für die gebrochenen Steine des Kirchbruchs, zwei fünf Meter hohe Stahlbetonsäulen. 1988 entstand die Idee, diese für eine Darstellung der Werksteine in der damaligen DDR zu nutzen. Grafiker Gerd Nawrot und die Geologen von „Elbnaturstein Dresden“ berieten bei der Umsetzung. Das Umfeld wurde von der Gemeinde gestaltet. Hier kann man bis heute Granit, Syenit, Quarzporphyr, Diabas und Syenitgranit aus dem Osten Deutschlands vergleichen und bewundern.

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Rainer Habel.

Das weiße Gold

Geologischer Überblick

Im Zeitraum der Kreide bis in das Tertiär führten subtropische Klimabedingungen zur tiefgründigen Verwitterung des Porphyrs, woraus der Kaolin entstand. Innerhalb der einzelnen Lagerstätten existieren Mulden mit Kaolinmächtigkeiten über 30 Meter, welche durch Areale mit gering mächtigem Kaolin bzw. durch aufragende Porphyrrücken voneinander getrennt sind.

Kaolintagebau Schleben/ Crellenhain, Foto: Kemmlitzer Kaolinwerke GmbH

Kaolintagebau Schleben/ Crellenhain, Foto: Kemmlitzer Kaolinwerke GmbH

Die Kemmlitzer Kaolinwerke

Die Kaolinvorkommen bei Kemmlitz wurden bereits im 18. Jahrhundert entdeckt. Die bergmännische Förderung begann ab 1883 im Tiefbau durch vier eigenständige Betriebe zwischen den Orten Kemmlitz, Börtewitz und Querbitzsch. 1928 wurde der erste Tagebau aufgeschlossen, um den steigenden Bedarf an Kaolin für die Industrie decken zu können. Nach der Enteignung der Betriebe entstand 1951 der Volkseigene Betrieb (VEB) Vereinigte Kemmlitzer Kaolinwerke, der als Teil großer Kombinate bis zur politischen Wende bestand. Danach wurde der VEB zunächst der Treuhandanstalt übertragen. Nach verschiedenen Eigentümerwechseln sind seit 1999 die Kemmlitzer Kaolinwerke Zweigniederlassung des Caminauer Kaolinwerkes. Heute produziert das Werk vor allem Kaoline für die keramische Industrie im In- und Ausland. Die Kunden schätzen die Kaoline wegen ihrer weißen Brennfarbe und ihrer breiten Verwendbarkeit für verschiedenste Porzellane und andere feinkeramische Erzeugnisse. In den letzten Jahren wurden die Produktpalette und die Absatzmärkte deutlich erweitert. Die Produktionsanlagen sind auf den modernen Stand der Technik gebracht. Heute betreiben die Kemmlitzer Kaolinwerke den Kaolinabbau in den Tagebauen „Schleben/Crellenhain“ und „Glückauf“.

Auf den Flächen des Kaolinwerks befinden sich Werksanlagen, Tagebaue und Spülhalden. Nach Inanspruchnahme werden diese wieder nutzbar gemacht. Die Flächen stehen für Land- und Forstwirtschaft zur Verfügung. Weiterhin haben sich in den ehemaligen Abbaugebieten Restseen umgeben von Pionierwäldern entwickelt, die inzwischen wertvolle Biotope für vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten darstellen.
www.schleben-crellenhain.de

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Heidrun Anger, Thomas Henkel

Quarzporphyr für die Industrie – Die Geschichte der Steinbruchbetriebe im Raum Wurzen/Grimma

Einzug der Industrialisierung

Mit dem Bau der ersten deutschen Ferneisenbahnstrecke von Leipzig nach Dresden (Bauzeit 1835 bis 1839) begann der systematische Steinabbau in der Region des Geoparks Porphyrland. Die zunehmende Industrialisierung erforderte den raschen Ausbau des Verkehrsnetzes. Immer größere Mengen an Steinmaterial wurden benötigt. Die Gebrüder Carl und Gustav Harkort gaben Mitte der 30er Jahre den Anstoß zum organisierten Abbau von Quarzporphyr. Dieser eignete sich unter anderem wegen seiner hohen Druckfestigkeit besonders für die Herstellung von Packlager und Steinschlag sowie für Pflastersteine. Im Hügelland um die Mulde entstanden mehrere Abbauzentren. 1862 gründete Friedrich Zachmann eine Steinbruch-Firma in Lüptitz. Daneben entstanden in der Gegend um Grimma und Brandis zahlreiche Steinbrüche.

Steinbruch Hohnstädt, Foto: Archiv Museum Steinarbeiterhaus Hohburg

Bis etwa 1850 war die Steingewinnung Handarbeit. Die gebrochenen Steine wurden per Hand verladen und mit Holzschubkarren transportiert. Pferdefuhrwerke beförderten die Steine zum Abnehmer oder zur nächstgelegenen Bahnstation. Die beschäftigten Arbeiter mussten ihr eigenes Handwerkszeug stellen.

Um 1890 begann die Zeit des industriellen Steinabbaus. Die Arbeitsbedingungen in den Steinbrüchen verbesserten sich durch den Einsatz von Kipploren auf Gleisen. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz wurde ausschlaggebend für den Erhalt und Erweiterung von Steinbrüchen. Kammerherr Adolf Freiherr von Schönberg, dem der Steinabbau am Zinken- und Gaudlitzberg unterstand, ließ 1896 eine private Eisenbahnverbindung nach Doberschütz bauen. Sie beförderte Pflastersteine in die Großstadt Berlin, nach Potsdam sowie nach Norddeutschland.

Schotterwerk, Zinkenberg, Foto: Archiv Museum Steinarbeiterhaus Hohburg

1899 schlossen sich die einzelnen Steinbruchunternehmen um Röcknitz zur „Hohburger Quarz-Porphyr-Werke Aktiengesellschaft Röcknitz“ zusammen. Abbau und Verarbeitung wurden modernisiert, Brecher zur maschinellen Zerkleinerung und Druckluft-Kompressorenzur wurden eingesetzt und die Steinbrüche ans Stromnetz angeschlossen.

Ab 1925 gab es erste Versuche mit sogenannten „Kunststraßen“ mit Teerbelag.  In der Folgezeit bekam der Zinkenberg bei Röcknitz ein neues Schotterwerk. Die Nachfrage nach Edelsplitten stieg, eine neue Feinsplittanlage wurde 1934 in Betrieb genommen. Mitte der 1920er Jahre wurde von Wurzen über Böhlitz eine neue Bahnlinie nach Eilenburg gebaut.

Kriegsende, politischer Wandel und neue Maschinen

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1939 bremste die Entwicklung. Nach Ende des Krieges gab es zunächst einen Produktionsstopp in allen Steinbrüchen. 1946 wurden viele Steinbruchfirmen enteignet und in Volkseigentum überführt. Aus den Steinbrüchen nördlich von Wurzen entstanden die Quarz-Porphyrwerke Lüptitz und Collmen-Böhlitz, ähnliches geschah mit den Steinbrüchen im Grimmaer Raum. Mit sehr wenig Beschäftigten lief die Produktion in den Steinbrüchen wieder an.

Bossierplatz Hohnstädt, Foto: Archiv Museum Steinarbeiterhaus Hohburg

Vollmechanisierung und der Einsatz von Löffelbagger und Lastkraftwagen erleichterten ab den 1950er Jahren den Abbau und Transport. 1963 erfolgte die Vereinigung der Steinbrüche in Röcknitz, Böhlitz und Lüptitz und später der Werke Hohnstädt, Trebsen und Großsteinberg. Es entstand ein volkseigener Großbetrieb – der VEB Splittwerk Röcknitz-Hohnstädt. Leistungsfähigere Bagger und LKW wurden angeschafft. In Trebsen entstand eine neue Schotter- und Splittanlage. Doch Mitte der 1980er Jahre spürten auch die Steinbrüche die sich verschärfende Krise der Planwirtschaft. Mehr und mehr wurden die Anlagen auf Verschleiß gefahren.

In den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen 1989/90 wurden die großen Kombinate aufgelöst und privatisiert. Unter der Regie der Treuhandgesellschaft entstanden die Sächsische Quarzporphyr-Werke (SQW) GmbH Röcknitz. Die Philipp Holzmann AG und ein mittelständisches Unternehmen kauften die Anteile der SQW GmbH. Nach der Übernahme gab es umfangreiche Investitionen, vorwiegend in neue Verlade- und Transporttechnik. Das alte Werk Lüptitz wich 1994 einem Neuwerk zur Herstellung von Schotter- und Splitterzeugnissen. Mit der Insolvenz der Holzmann AG im Jahre 2002 wurde die SQW GmbH an die Basalt-Aktien-Gesellschaft verkauft.

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Ralph Schubert, Matthias Zeipert

Die Fayence- und Steingut-Manufaktur Hubertusburg

Der Siebenjährige Krieg wütete bis 1763 in Sachsen, mit dem Friedensvertrag von Hubertusburg wurden nicht nur in Europa die kriegerischen Handlungen dieses Kriegskonfliktes beendet. Das Kurfürstentum Sachsen ging allerdings verschuldet daraus hervor. Schloss Hubertusburg war verwaist und stark beschädigt. Um das Schloss vor dem Verfall zu bewahren, verfügte Kurfürst Friedrich August III., die Gebäude notdürftig instand zu setzen und wieder zu nutzen.

Hubertusburger Steingut, Foto: M. John

Für Erfindungen und Verbesserungen setzte das Land Prämien aus. Zwischen 1763 und 1800 wurden in Sachsen 150 Manufakturen genannt. In dieser Zeit wandte sich der Maler der Meißner Manufaktur und erfahrene Keramiker Tännich an den kurfürstlichen Hof mit der Bitte um Unterstützung, ein dem Delfter Fayence ähnliches Erzeugnis weiter zu entwickeln. Er brachte bereits reiche Erfahrungen aus Straßburg, Frankenthal, Ostfriesland, Jever und Kiel mit. Der Kurfürst erlubte 1770 die Gründung einer Fabrik im Schloss Hubertusburg und gestattete Tännich die Nutzung der kurfürstlichen Poststraßen. Die Fabrikation fand allerdings unter Bedingungen der Porzellanmanufaktur Meißen statt. Diese hatten im verarmten Sachsen Probleme, ihre hochwertige Ware zu verkaufen, da man auf billigere Ware außerhalb Sachsen zurückgriff. Auf der Hubertusburg konnte Meißen die Produktion billigerer Ware im eigenen Land kontrollieren. Später gestatte Meißen, auch feinere Produkte zu fertigen. Zunächst produzierte man in Hubertusburg auf Vorrat und verkaufte die Ware 1771 zur Leipziger Michaelismesse mit gutem Erfolg. Besonders gefragt waren Hubertusburger Öfen.

Der Geheime Rat und Oberstallmeister Graf von Lindenau scheint der anfängliche Geldgeber Tännichs gewesen zu sein und fand Johann Gottfried Förster als Leiter der Farbik. Lindenau als nunmehriger Inspektor legte dem Landesherrn 1776 verbesserte Brände vor. Der Kurfürst fand Gefallen daran und übernahm die Manufaktur sogleich. Mit Lindenaus Ausscheiden genehmigte der Kurfürst den manufakturtauglichen Umbau weiterer Gebäude im Schlossareal. Die Direktion übernahm der Oberkammerherr Graf von Marcolini, der als Silberpage an den sächsischen Hof kam und einer der engsten Vertrauten des Kurfürsten wurde. Marcolini war von 1774 bis 1814 gleichzeitig Generaldirektor der Porzellanmanufaktur Meißen.

Britische Konkurrenz und Auswirkungen der Kontinentalsperre

Steingut um 1800
mit gefälschter Marke
„Wedgwood“, Museum
Mutzschen; Foto: M. John

Im Jahr 1776 begann damit in der Hubertusburger Fabrikation ein neuer Abschnitt. In England hatte 1720 der Töpfer Astbury das Steingut erfunden und sein Landsmann Wedgwood verbesserte es um 1750 weiter. Das englische Steingut kam in Dichte und Härte dem Porzellan sehr nahe und verdrängte bald europäische Keramik. Nur sehr wenige Fayencefabriken konnten sich noch behaupten; meist nur durch Fliesenerzeugung und die Umstellung auf Steingut, so auch die Hubertusburger Werkstätten 1776. Wedgwood stellte u. a. ein Fabrikat mit der Bezeichnung Queenware her. Dieses Erzeugnis begann man nun in Hubertusburg zu kopieren. Um 1800 Zeit fanden dadurch bis zu hundert Personen Beschäftigung. Hubertusburger Erzeugnisse verdrängten mehr und mehr das englische Steingut und andere Geschirre

1799 wurde der Betrieb erweitert. In der Zeit der Napoleonischen Herrschaft mag sich auch die gegen England gerichtete Kontinentalsperre günstig für den Absatz der Hubertusburger ausgewirkt haben, verkauften sie doch (unter gefälschtem Namen!) rares „englisches” Steingut im In- und Ausland. Bei der Suche nach geeigneten Rohstoffen wurde man 1780 in dem nahen Pommlitz fündig. Ab 1814 erschloss man weitere Fundorte bei Neusornzig, Mahlis, Mutzschen, Glossen  und in Kemmlitz. Die Hubertusburger Manufaktur war der Schlüssel und Treiber zum Abbau der Kaolinvorkommen des heutigen Kemmlitzer Kaolinreviers bis in die heutige Zeit.

Nach Aufhebung der Kontinentalsperre war ab 1815 ein merklicher Absatzrückgang zu verzeichnen. 1814 war Marcolini gestorben. Förster war alt und krank. Während der Befreiungskriege hatten die Verbündeten das Land Sachsen dem Kaiserlichen Russischen Generalgouvernement unterstellt und dieses übertrug die Verwaltung direkt der Meißner Porzellanmanufaktur. Nachdem Kurfürst Friedrich August wieder als sächsischer König eingesetzt war, drückte man ab 1817 auch die Marke „K. S. St. F. H.“ – Königl. Sächs. Steingutfabrik Hubertusburg ein. Der König beschloss, die Steingutfabrikation jetzt auf eigene Rechnung fortzusetzen. Man verwendete neue Grundstoffe, um die Glasur und Festigkeit zu verbessern. Der Meißner Malervorsteher Keting fertigte Entwürfe für Hubertusburg an. Man versuchte sich im Kupfer- und Steindruck und später in einer bescheidenen Emaillemalerei.

Das alles kam aber zu spät für den wirtschaftlichen Erhalt der Wermsdorfer Manufaktur. Die Hauptursachen waren wohl die Aufhebung der Kontinentalsperre und neu erstandene Fabriken in Colditz, Rochlitz, Dresden, Pirna und Steyermühle bei Nossen. England und die thüringischen Manufakturen holten mit Billigwaren den Markt zurück. 1848 schlossen die Werkstätten Hubertusburg endgültig ihre Pforten.

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Manfred John

Das Mügelner Schmalspurnetz und der Kaolintransport

Mitten im Sächsischen Heideland, entlang der Döllnitz, fährt seit 1884 die Schmalspurbahn bis zum ehemals größten Schmalspurbahnhofs Deutschlands nach Mügeln. Der „Wilde Robert“, wie die Dampflok der Döllnitztalbahn liebevoll genannt wird, wurde nach Überlieferung von einem Lokführer abgeleitet, der in den Anfangsjahren des Bahnbetriebes in Mügeln arbeitete und einen wilden Fahrstil hatte.

Döllnitzbahn, Foto: N. Friedrich

In den Anfangsjahren transportierte die Schmalspurbahn vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse. Ab 1889 wurde sie auch zum Transport für das vor Ort abgebaute Kaolin genutzt. Im Laufe der Jahrzehnte konnte die Strecke auf 91,7 Kilometer erweitert werden. Zu Beginn wurde unter anderem die gute Hafenanbindung in Strehla an der Elbe genutzt. So konnten sämtliche landwirtschaftliche Produkte und das wertvolle Kaolin in die Welt verschifft werden. In der Herbstzeit kam es zu regem Güterverkehr Richtung Döbeln. Die geernteten Zuckerrüben mussten innerhalb weniger Wochen in die Fabriken nach Oschatz und Döbeln befördert werden.

Mitte bis Ende des letzten Jahrhunderts hatte die Zeit das Netz so überholt, dass nach und nach der Verkehr eingestellt werden musste. Einzig das Reststück Oschatz-Kemmlitz blieb für den Kaolintransport übrig. Heute wird die Döllnitzbahn für den Schüler- und Touristenverkehr eingesetzt und bringt jedes Jahr viele Besucher nach Mügeln.

Im ehemals größten Schmalspurbahnhof Deutschlands hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles verändert. Gleisanlagen wurden erneuert, Gebäude saniert und das Außengelände wurde ansehnlich hergerichtet. Dank des Fördervereins Wilder Robert e.V. und der Döllnitzbahn GmbH werden wertvolle Fahrzeuge aufgearbeitet und die Anlagen instand gehalten.

Bahnhof Mügeln, Foto: S. Geist

Bahnhof Mügeln mit Döllnitzbahn, Foto: S. Geist

Seit dem 24. August 2019 fand auch das ehemalige Bahnhofsgebäude eine neue Nutzung. Durch die regionale Bedeutung des Rohstoffs Kaolin in Verbindung mit der Schmalspurbahn, wurde hier das Geoportal Bahnhof Mügeln eröffnet. In der multimedialen Ausstellung „Erlebniswelt Kaolin“ können Besucher einen Einblick in den Kaolinbergbau seit dem 18. Jahrhundert und in die Geschichte der Döllnitzbahn gewinnen.

An ausgewählten Wochenenden und Feiertagen sowie zu Sonderveranstaltungen kommt eine über 100 Jahre Dampflok, die Sächsische IV “ zum Einsatz. Besonders beliebt sind die traditionellen Oster-, Pfingst- und Glühweinfahrten. Zum Tag des offenen Denkmals und zu Halloween locken Vereine und Programme zum Bahnhofsfest

Der „Wilde Robert“ bringt Sie an der Haltestelle „Kemmlitz-Ort“ auch bis zum Café Volldampf. In der Saison können Sie sich hier sonntags bei Kaffee und Kuchen stärken oder im Hofladen Mahlis ein Eis genießen. Regionale Künstler haben an diesem Geoinfopunkt außerdem Gelegenheit, ihre Werke zu präsentieren.
www.doellnitzbahn.de

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Kerstin Helbig

Glossen – lebendiges Zeugnis historischer Verlade- & Transporttechnologie

Der Anschluss an das Schmalspurnetz war für die Gruben im heutigen Geopark ein wichtiger Schritt. Mithilfe der neuen Technologien konnte der Abbau modernisiert werden. Der Verladebahnhof Glossen zeugt noch heute von den ingenieurtechnischen Leistungen und der industriekulturellen Entwicklung der Region Mügeln–Wermsdorf–Oschatz.

Verladerampe Glossen, Foto: R. Heinze

Der große Transportanteil landwirtschaftlicher und industrieller Erzeugnisse machte die Schmalspurbahn um Mügeln schon bald nach ihrer Inbetriebnahme 1884 zu einer der wirtschaftlichsten Schmalspurbahnen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Nach stetigen Erweiterungen erreichte das Schmalspurnetz vor dem ersten Weltkrieg seine größte Ausdehnung und die Bahn ihre Blütezeit. Der Güterverkehr bestimmte den Ablauf des Bahnbetriebs. Notwendige Be- und Umladearbeiten der Wirtschaftsgüter von Fuhrwerken oder Werksbahnen auf die Schmalspurbahn, aber auch Ent- und Umladungen in den Verladebahnhöfen auf Wagen mit Eisenbahn-Regelspurweite bzw. im Verladehafen an der Elbe in Strehla erforderten spezialisierte technische Anlagen. Der Erhalt dieser vielfach noch vorhandenen Zeugnisse ingenieurtechnischer Leistungen und der industriekulturellen Entwicklung der Region Mügeln–Wermsdorf–Oschatz ist gemeinsames Anliegen der Traditionsvereine sowie der Kommunen und erhält Unterstützung durch öffentliche Förderung und den Geopark Porphyrland.

Historische Verladerampe in Glossen
Mit Eröffnung des Streckenabschnitts Mügeln – Neichen wurde ab 1889 am Haltepunkt Glossen die Verladerampe für Kaolin in Betrieb genommen. Den in den umliegenden Gruben geförderten Rohstoff transportierte man mit Fuhrwerken heran, lud ihn in Kipploren um und beförderte ihn mittels Verladerampe in die bereitgestellten Eisenbahnwaggons.

1903 erhielten die Grubenbesitzer den Direktanschluss an das Schmalspurnetz und verbesserten damit den Transport von Roh- und Schlämmkaolin. Für die Zuführung und Abholung der Eisenbahnwaggons bis zu und ab den Werksanschlüssen war das Bahnunternehmen zuständig. Es setzte für den Kaolintransport schmalspurige Rollwagen ein, auf die im Verladebahnhof die regelspurigen Waggons über eine Rollwagenrampe geschoben wurden.
Mit der im Jahr 1925 erfolgten Inbetriebnahme des Quarzitsteinbruchs Glossen wurde die Rampe zur Verladung des gebrochenen und von Feldbahnen herantransportierten Gesteins genutzt. Seit der Stilllegung des Schmalspur-Streckenabschnitts Mügeln–Neichen im Jahr 1972 und dem Abbau aller Gleise am Bahnhof Glossen ist die Verladerampe nicht mehr in Betrieb.

Die Visionen des Fördervereins “Wilder Robert” zum Wiederaufbau des Schmalspur-Streckenabschnitts bis Glossen fanden erst 2006 im Zuge der Sächsischen Landesgartenschau in Oschatz Realisierung. Seitdem erfreuen sich die Fahrgäste der inzwischen gegründeten Döllnitzbahn an Diesel- und Dampflokfahrten durch das landschaftlich reizvolle Döllnitztal.

Döllnitzbahn, Foto: N. Friedrich

Umstieg von der Schmalspur- auf die Feldbahn

Heute ist der einstige Verladebahnhof Glossen Anziehungspunkt für Eisenbahnfreunde, denn er verknüpft drei Spurweiten: die 600 mm-Quarzit-Feldbahn und die 750 mm-Schmalspurbahn und präsentiert auch die Regelspur-Fahrzeugbreite von 1435 Millimeter.

An den Fahrtagen der Döllnitzbahn und des Vereins Feldbahnschauanlage Glossen können Gäste am Haltepunkt Glossen von der Schmalspur- in die Feldbahn umsteigen und in den 1990 geschlossenen Quarzitsteinbruch fahren. Dank des Vereinsengagements ist dieses wichtige Zeugnis des Steinabbaus im Geopark Porphyrland erhalten geblieben und können noch funktionstüchtige Maschinen wie Steinbrecher und Eimerkettenbagger vor Ort in Betrieb erlebt werden. Im ehemaligen Sozialgebäude des Steinbruchs richtete der Verein ein sehenswertes Steinbruch- und Feldbahnmuseum  ein.
www.feldbahn-glossen.de

Auszug aus: Geopark-Broschüre “Schätze aus Vulkanen” (2020): Rebecca Heinze