Gleisbrücke Lüptitz, Foto: Modellbauverein Lossatal

Schmalspurbahnhof Mügeln, Foto: Archiv Geopark

Feldbahn Glossen, Foto: Matthias Richter

Colditz, Haingasse: Pfeiler einer ehemaligen Drahtseilbahn, Foto: R. Heinze

Transportieren

Vom Pferdefuhrwerk auf die Schienen

Der Transport von Rohstoffen erfolgte in vorindustrieller Zeit auf kurzen Strecken zwischen den Orten des Abbaus und der Verwendung mittels Ochsenkarren oder Pferdefuhrwerken.
Der Anschluss an das Eisenbahnnetz war für die Steinbrüche und Gruben ein wichtiger Modernisierungsschritt. Ein Netz von staatlichen und privaten Fern-, Regional- und Werksbahnen war die Voraussetzung und das Ergebnis der industriellen Entwicklung. Dabei war ein dichtes Verkehrsnetz nicht nur für den Transport von Rohstoffen und Produkten von großer Bedeutung, sondern auch für die vielen in den Förder- und Verarbeitungsbetrieben beschäftigten Menschen.

Eisenbahn

In Nordwestsachsen war der Leipziger Eisenbahnpionier Gustav Harkort zugleich Wegbereiter für die Industrialisierung des Steinabbaus. Durch sein Engagement entstand in den Jahren 1835 bis 1839 die Ferneisenbahnlinie Leipzig-Dresden. Zwischen Wurzen und Kühren ließ Harkort einen Quarzporphyr-Steinbruch erschließen. Das vor Ort abgebaute und zerkleinerte Gestein diente als Schotter und Packlager für die Gleise. Den Steinbruch kaufte 1862 der Steinbruchunternehmer Friedrich Wilhelm Zachmann. Mit Eröffnung der Bahnlinie zwischen Wurzen-Roitzsch und Eilenburg im Jahr 1927 wurde dadurch der Ferntransport für sein Unternehmen wesentlich effektiver.

Das Gebiet um Rochlitz ging im Jahr 1875 ans Netz der Muldentalbahn, einer Nebenstrecke der Königlich-Sächsischen Staatsbahn. In Breitenborn am Rochlitzer Berg erhielt 1909 das moderne Steinsägewerk mit Verladebahnhof den Anschluss ans Schienennetz. Damit konnte der begehrte Rochlitzer Werkstein auf direktem Weg in Großstädte wie Leipzig, Chemnitz, Dresden oder Hamburg transportiert werden.

Neben den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen entstanden auch private Bahnen. So wurde 1896 auf Betreiben des Steinbruchbesitzers Adolf Freiherr von Schönberg eine private Eisenbahn von den Hohburger Bergen nach Doberschütz gebaut. 1926 ließ er von seinem Schotterwerk am Zinkenberg außerdem einen Gleisanschluss zur Bahnlinie Wurzen-Eilenburg verlegen.

Schmalspurbahn

Die Döllnitztalbahn im Raum Mügeln ging 1884 in Betrieb. In den Anfangsjahren transportierte sie vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse, z.B. Zuckerrüben. Ab 1889 wurde sie auch zum Transport für das vor Ort abgebaute Kaolin genutzt. Durch jahrzehntelange Erweiterungen vergrößerte sich die Strecke auf über 90 Kilometer Länge. Die Mügelner Schmalspurbahn war eine der wirtschaftlichsten Schmalspurbahnen der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen und Mügeln der ehemals größte Schmalspurbahnhofs Deutschlands. Durch die Hafenanbindung in Strehla an der Elbe konnten somit landwirtschaftliche Produkte und Kaolin in die Welt verschifft werden.

Feldbahn, Seilbahn

Industriegleisanlagen innerhalb der Steinbrüche und Gruben waren ebenfalls von großer Bedeutung.
Die Zachmann KG hatte z.B. in den 1930er Jahren etwa zehn Kilometer Gleise für Feldbahnen mit Loren verlegt. Außerdem nutzte der Unternehmer seit 1906 Drahtseilbahnen der Leipziger Firma Adolf Bleichert & Co. für den Transport des Gesteins vom Steinbruch am Spitzberg zur Verladestation in Wurzen-Roitzsch.
In den Colditzer Ton- und Kaolingruben gab es ebenfalls Feldbahnen sowie drei Seilbahnen, die zwischen den Abbaustätten, Keramikfabriken und dem Bahnhof über die Mulde hinweg Rohstoffe, Kohle und Fertigprodukte hin- und hertransportierten.
Im Kemmlitzer Revier wurde erstmals ab 1900 in den Abbaufeldern der Firma Ferdinand Max Wolf mit eigenen Feldbahnen transportiert.

Industriekultur im Geopark Porphyrland
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