Erdgeschichtliches Tagebuch

Karbon
Vor fast 320 Millionen Jahren, im Karbon, bedeckten gewaltige Bergzüge das heutige Gebiet des Geoparks Porphyrland. Es war ein Hochgebirge, dessen allmähliche Abtragung so begann, wie wir das heute beispielsweise in den Alpen beobachten können: über Verwitterungsvorgänge, Muren und Flüsse. Reste der Gesteine dieses Gebirges bilden heute den Collmberg bei Oschatz oder die Deditz­Höhe bei Grimma.

Perm
Vor 300 Millionen Jahren, im Perm, war der nordwestsächsische Raum eine Senke, die sich mit Ablagerungen füllte. Hier kreuzten sich unterirdisch tiefreichende Störungssysteme, die einen intensiven und großflächigen Vulkanismus verursachten. Die aus tiefer liegenden Magmenherden stammenden vulkanischen Gesteinsprodukte, unter dem Namen Porphyre zusammengefasst, sind namensgebend für den Geopark Porphyrland. Sie dominieren das Erscheinungsbild dieser Region. Die Vulkangesteine, die sich vor etwa 300 Millionen Jahren bildeten, unterscheiden sich nach der Form der vulkanischen Ablagerung:

1. Gesteine aus Lavaergüssen,
2. Gesteine aus vulkanischen Aschen (Tuffe) und
3. Gesteine aus mächtigen Glutwolken (Ignimbrite).

Aus Lava entstand beispielsweise der Leisniger Porphyr, der die Wände im Einschnitt der Freiberger Mulde bei Leisnig etwa zwischen Westewitz und Tanndorf bildet. Reine vulkanische Aschen sind eher selten. Weite Verbreitung haben hingegen Ignimbrite, die auf einen explosiven Vulkanismus und die Ablagerung von unterschiedlich heißen Glutwolkenabsätzen zurückgehen. Unter ihnen bilden die von der Mulde zwischen Rochlitz und Colditz weitflächig angeschnittenen Ignimbrite des Rochlitzer Porphyr mit 400 m Mächtigkeit die größte und am weitesten verbreitete vulkanische Schicht im Geopark Porphyrland. Unter dem Namen Rochlitzer Porphyrtuff wird dieses Gestein am Rochlitzer Berg seit Jahrhunderten als begehrter Werkstein abgebaut. Auch im Norden bis Nordwesten des Porphyrlandes haben Ignimbrite in Form der Pyroxenquarzporphyre eine weite Verbreitung. Sie wurden hier von Magmen durchschlagen, die bereits bei dem Aufstieg aus dem Erdinneren erstarrten und heute als Pyroxengranitporphyre bekannt sind. Das bekannteste Abbaugebiet ist Beucha.

Zechstein
Nachdem gegen Ende des unteren Perms das Gebirge eingeebnet war, bildete sich in Mittel­ und Nordeuropa ein relativ flaches Binnenmeer (Zechstein). Salzwasser drang vom Ozean im Nordwesten ein. Bedingt durch die damalige Breitenlage herrschte bei uns bereits seit dem frühen Perm ein trockenes und heißes Klima vor, das zu starken Verdunstungen in diesem Binnenmeer führte. Dolomit­, Gips­ und Salzablagerungen entstanden. Der Norden und Nordwesten Sachsens befand sich damals am Rande dieses Binnenmeeres, wo die Meeressedimente weitestgehend durch Fluss­ und Schuttstromablagerungen zurückgedrängt wurden. Lediglich der mächtige Karbonathorizont des Plattendolomits ist einheitlich bis weit nach Süden verbreitet. Er ist in der Mügelner Senke im Norden und in der Bornaer Senke im Westen von der nachfolgenden Erosion verschont geblieben und steht noch heute in den Kalkbrüchen bei Ostrau im Abbau.

Trias und Jura 
Die Erdzeitalter von Trias und Jura, deren Ablagerungen im Thüringer Becken (Trias) weitflächig und in der Lausitz (Jura) punktuell erhalten geblieben sind, fielen in Nordwestsachsen weitgehend der Erosion zum Opfer. Nur in den Senken von Borna und Mügeln sind Sandsteine und Konglomerate der Unteren Trias (Buntsandstein) im Untergrund vorhanden.

Kreide 
Im Zuge der Kontinentaldrift gelangte Mitteleuropa in tropische Klimaregionen. Alle oberflächennahen Gesteine waren nun einer intensiven chemischen Verwitterung ausgesetzt, bei der sich Feldspäte zu Tonmineralen umbildeten. Bei vollständiger Umwandlung der Feldspäte entstand daraus das Gestein Kaolin, das für die Keramik von großer Bedeutung ist. Auf den Kalifeldspatreichen Porphyren und Ignimbriten bildeten sich im Zeitraum Oberkreide bis Tertiär Kaolinlagerstätten, die noch heute bei Mügeln im Abbau sind. In den Kaolinen ist meist noch das ursprünglich porphyrische Gefüge zu erkennen. Es bezeugt, dass die Verwitterung an Ort und Stelle passiert ist und die Verwitterungsprodukte nicht transportiert und umgelagert wurden.

Tertiär
Während des Tertiärs, etwa zwischen 65 bis 2 Millionen Jahren, der Braunkohlenzeit, wurde Mitteleuropa vom damaligen Nordmeer aus überflutet. Nordwestsachsen gelangte an den Südrand einer „Paläo­Nordsee“. Die Sande, Schluffe, Tone und Braunkohlen sind vorwiegend Ablagerungen einer von Gezeiten beeinflussten Flachmeerküste sowie ihres durch Flussablagerungen geprägten Hinterlandes. Ablagerung von Sedimenten wechselte mit ihrer stellenweisen Erosion. So kam es, dass von einer ursprünglich geschlossenen Tertiärverbreitung heute nur noch Restvorkommen übrig sind. Zeitweilig entstanden Küstenmoore, aus denen sich Braunkohlenlager bildeten. Ihr Abbau in isolierten Restvorkommen ist östlich von Grimma und in den Hohburger Bergen belegt. Durch Abschlämmung und Umlagerung der Kaoline entstanden tertiäre Tonlager, deren Abbau zu einer reich differenzierten Keramischen Industrie im Geoparkgebiet führte.

Quartär
Das Quartär, das eiszeitalter, begann vor etwa einer Million Jahren mit einer starken Abkühlung. Periodisch erreichte Mitteleuropa arktisches Klima. Während mehrerer Eiszeiten rückte das Gletschereis aus den zentralen Polarregionen vor bis in unser Gebiet. Es hinterließ mächtige Moränenablagerungen und überformte die Landoberfläche. In Schmelzwasserseen vor der Gletscherfront kamen Beckensedimente in Form von Sanden, Schluffen und Tonen zur Ablagerung. Zeiten der Vergletscherung wechselten mit eisfreien Zeiten der Lößsteppe. In letzteren wehten teils mächtige Löße und Lößlehme an.

Holozän
In der Lößsteppe bildeten sich in den letzten 10.000 Jahren im Holozän besonders fruchtbare Böden. Bei hinreichenden Mächtigkeiten wurden sie für die Ziegelherstellung gewonnen. Von wirtschaftlich größerer Bedeutung sind auch heute noch eiszeitliche Fluss­ bzw. Terrassenablagerungen der Elbe, Mulde oder Zschopau mit ihren Kiessandablagerungen. Sie bilden eine Lagerstättengrundlage für die Baustoffgewinnung und Baustoffindustrie