Gletscherschliffe am Spielberg bei Böhlitz

  • Geotoptyp: Gletschermarken auf Felsmassiv
  • Gestein: Hohburger Quarzporphyr
  • Geologisches Zeitalter: Quartär (Elster- und Saale-Eiszeit)

Die Gletscherschliffe befinden sich am Fuße des Spielberges, der die Ortschaft Böhlitz überragt. Die vor 400.000 bis 126.000 Jahren aus Skandinavien vorrückenden Inlandeismassen der Elster- und Saale-Eiszeit schliffen die Porphyrberge des Geoparks Porphyrland ab. Durch das darüber gleitende Gletschereis wurde der Untergrund abgetragen, obwohl das zähflüssige Eis viel weicher als das Porphyrgestein ist. Für das „Abschmirgeln“ sorgte der im Eis eingeschlossene Gesteinsschutt. Dabei wurden die typischen Gletscherschrammen oder -schliffe erzeugt. Diese auch Kritzungen genannten Oberflächenstrukturen liefern Hinweise zur Richtung der Eisbewegungen.

Lage
04808 Thallwitz, Ortsteil Böhlitz

Koordinaten
N 51° 26′ 33.522252; E 12° 44′ 23.88228 (WGS 84)
4551554,0; 5701147,0 (Gauß-Krüger)
3342937,9;  5701470,9 (UTM 33)

Kontakt
Gemeindeverwaltung Thallwitz
Dorfplatz 5
04808 Thallwitz
Tel. 03425 999910
Internet: www.gemeinde-thallwitz.de

Google Routenplaner

MDV Fahrtenplaner

Heute wissen wir, dass die während der Eiszeit aus Skandinavien kommenden Gletscher bis südlich von Leipzig vorstießen (Feuersteinlinie). Sie brachten von dort auch im Eis eingeschlossene Gesteinsblöcke mit, die als Findlinge (erratische Blöcke) bezeichnet werden.

Im 19. Jahrhundert gab es unter den Geologen zu deren Herkunft mehrere Ansichten. Nach der Rollstein- oder Schlammfluttheorie sollten riesige Wasserfluten Schlamm und Gesteine nach Norddeutschland gebracht haben. Die Drifttheorie ging von einem Meer aus, das von Skandinavien bis an den Rand der Mittelgebirge reichte. Die Findlinge sollten mit driftenden Eisblöcken bis ins nordeuropäische Tiefland transportiert worden sein.

Erst 1875 konnte der schwedische Geologe Otto Martin Torrel (1824-1900) die bis heute anerkannte These von einer flächendeckenden norddeutschen Inlandvereisung belegen. Ganze 31 Jahre vorher wurde in den Hohburger Bergen die Wirkung des Inlandeises bereits durch Carl Friedrich Naumann und andere Forscher nachgewiesen (siehe Geotop Wind- und Gletscherschliffe auf dem Kleinen Berg bei Hohburg). Dafür sind die Gletscherschliffe bis heute ein Zeugnis.

Gletscherschliffe am Spielberg

Auf den Porphyrkuppen um Böhlitz nachgewiesene Gletscherschliffe

Gletscherschliffe am Spielberg, Detailaufnahme

Gletscherschliffe am Spielberg

Gletscherschliffe am Spielberg

Gletscherschliffe am Spielberg   

Auf den Porphyrkuppen um Böhlitz nachgewiesene Gletscherschliffe

Auf den Porphyrkuppen um Böhlitz nachgewiesene Gletscherschliffe