Steinbrüche und Pflanzenschutzgebiet am Wachtelberg

Wachtelberg, Dehnitz, Foto: Anja Hartmann
  • Geotoptyp: Auflässige Steinbrüche
  • Gestein: Pyroxengranitporphyr
  • Geologisches Zeitalter: Unterperm (Rotliegend)

Das Gebiet des Wachtelberges südlich von Wurzen bietet Wanderern eine Verknüpfung von   landschaftlichen, geologischen und botanisch-faunistischen Besonderheiten auf engstem Raum. Der Wachtelberg erhebt sich mit seinen reichlichen 148 Metern Höhe als deutliche Landmarke über das heutige Muldetal. Die vereinigte Mulde benutzt schon seit dem ausgehenden Saale-Glazial, also seit mehr als 130.000 Jahren, diese Abflussbahn.

Auf dem Berg steht seit 1909 einer der 240 zwischen 1869 bis 1934 deutschlandweit erbauten Bismarcktürme, errichtet aus Lüptitzer Quarzporphyr. Der Ausblick vom Bismarckturm ist bei gutem Wetter ein Erlebnis: Im Nordosten sieht man die Porphyrhügel der Hohburger Berge, nach Südosten ist der Grauwackerücken des Collmberges zu sehen und nach Südwesten blickt man in die Leipziger Tieflandsbucht.

Am Wachtelberg steht Pyroxengranitporphyr an. Das ist ein magmatisches Gestein, das vor 287 – 285 Millionen Jahren im Zuge des intensiven Vulkanismus der Wurzen-Caldera entstand. Dabei stieg flüssige Gesteinsschmelze (Magma) in das umgebende Gestein auf und erkaltete unterhalb der Erdoberfläche in Form von Gängen und Stöcken. Das Mineral Pyroxen in der feinkörnigen Gesteinsgrundmasse bedingt die grünliche Färbung. Rund um den Wachtelberg wurde der Porphyr  seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein für den örtlichen Baubedarf in einer Vielzahl an kleinen Brüchen, sogenannte Bauernbrüche, gebrochen.

Bereits seit 1911 steht der gesamte Wachtelberg wegen des letzten sächsischen Vorkommens der Echten Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris), auch Osterblume genannt, unter Schutz. 1954 wurde der Schutzstatus auf die Tiere erweitert und seit 1992 ist der Wachtelberg mit dem Mühlbachtal  Naturschutzgebiet. Verschiedene Biotoptypen bilden ein Refugium für Pflanzen, die in Sachsen bereits auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen, darunter die Kartäuser Nelke, die Felsenfetthenne, die Gemeine Grasnelke und der Blutstorchschnabel. In den Gewässern leben Kammmolch und Wechselkröte, See- und Laubfrosch; mit etwas Glück können am Mühlbach Eisvogel und Fischotter  beobachtet werden.

Lage
04808 Wurzen, Ortsteil Dehnitz

Koordinaten
N 51° 21′ 4.99; E 12° 44′ 18.3 (WGS 84)
4551548; 5690993 (Gauß-Krüger)
342516; 5691327 (UTM 33)

Kontakt
Stadtverwaltung Wurzen
Friedrich-Ebert-Straße 2
04808 Wurzen
Tel. 03425 85600
Internet: www.wurzen.de

 

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Georoute: Wachtelberg-Mühlbachtal

Blühende Kuhschelle (Osterblume), Foto: Lothar Andrä

Gesteinsstruktur des Pyroxengranitporphyrs vom Wachtelberg, Foto: Anja Hartmann

Gesteinsstruktur des Pyroxengranitporphyrs vom Wachtelberg, Foto: Anja Hartmann

Ausschnitt aus dem Sächsischen Meilenblatt mit den Bauernbrüchen (hellbraun) am Wachtelberg, kartiert 1807

Ausschnitt aus dem Sächsischen Meilenblatt mit den Bauernbrüchen (hellbraun) am Wachtelberg, kartiert 1807