Keramik-Kunst-Route Colditz. Kunstwerke zur Industriegeschichte

Die Stadt Colditz war ein bedeutendes Zentrum der Keramikindustrie und ist hinsichtlich der Themen Rohstoff und Industriekultur ein wichtiger Referenzort im Geopark Porphyrland.

Die Geschichte

Die Colditzer Vorkommen an Kaolin sind untrennbar mit der Herstellung des ersten europäischen Porzellans verbunden. Aus einer Lagerstätte am nordöstlichen Ortsrand von Colditz gewannen die Gelehrten Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus den Rohstoff für ihre erfolgreichen Experimente zur Erzeugung von Hartporzellan – seit 1708 in der Manufaktur Meißen hergestellt.

Die örtlichen Rohstoffvorkommen waren auch Ausgangspunkt für den industriellen Aufschwung als Stadt der Keramik im 19. Jahrhundert. Viele Familien lebten bis zum Ende der DDR von und mit der Herstellung von Steingut, Steinzeug, Grobkeramik und Porzellan. Colditzer Unternehmen, insbesondere das Porzellanwerk, hatten innerhalb der Branche europaweite Bedeutung, prägten als Bauwerke das Ortsbild und waren identitätsstiftend für die Bevölkerung.

Durch flächendeckende Abrisse nach 1990 sind die Anlagen der Keramikindustrie heute fast vollständig aus dem Stadtbild verschwunden. Ihre Beseitigung hinterließ tiefe Wunden im Bewusstsein vieler Colditzer – und Leerstellen im kulturellen Gedächtnis der Stadt.

Die Vision

Diese stadtprägende Geschichte der Keramik und des Porzellans soll mit künstlerischen Mitteln wieder sichtbar gemacht werden. Geplant sind sechs Plastiken an ehemaligen Standorten der Keramikindustrie. Gemeinsame Vision des Kulturfördervereins Schaddelmühle e.V., der Stadt Colditz, des Schlosses Colditz und des Geoparks sind die Eröffnung der in Arbeit befindlichen Keramikschau im Schloss Colditz und die Aufstellung der Kunstwerke im Stadtgebiet. Beitrag des Geoparks ist die Konzeption eines Rundweges, der die Kunststationen mit Orten der historischen Keramikherstellung verbinden soll. Alle drei Elemente ergänzen sich hervorragend und können zu einer touristischen Attraktion werden.

Im Herbst 2020 entstanden in der Schaddelmühle bei einem Workshop mit sechs lokalen Künstlerinnen und Künstlern die Entwurfsmodelle für die Keramik-Kunstwerke. Zu der mittlerweile wieder abgebauten Ausstellung gibt es hier eine digitale Führung.

Dank Fördermitteln aus dem Bundesprogramm Neustart Kultur und der Sparkassenstiftung Muldental arbeitet die Schaddelmühle seit Februar 2021 an der Herstellung der Kunstwerke.

Entwurfsmodell Frank Brinkmann, Foto: R. Heinze

Entwurfsmodell Wolfram Boden, Foto: R. Heinze

Entwurfsmodell Lena Stühmeier, Foto: R. Heinze